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Beth Garner
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www.bethgarner.com
 

In Texas steckt so viel musikalisches Potenzial, dass es dem normalen Musikkonsumenten
aufgrund des Überangebots schwer gemacht wird, sich die Rosinen herauszupicken.

Nun taucht mal wieder eine Lady aus dem Schmelztiegel Austin auf, die mit erstaunlich
viel Talent gesegnet ist und ihren Roots-Rock mit stark hitverdächtigem Massenappeal versieht.

Jeder Song ein Treffer.

Beth Garner (Jahrgang 1978) tummelt sich immerhin schon seit 11 Jahren in
der texanischen Musikszene, trat im Vorprogramm von Jimmy Vaughan auf und
tourte mit E-STREET's
Danny Federici. 2001 veröffentlichte sie bereits ihr Debutalbum,
welches in Deutschland aber sicher niemand wahrgenommen hat.

Ihr Zweitwerk "Addictions" wird jetzt vom britischen Armadillo Music-Label in Europa
vertrieben und zeigt eine absolut ausgeschlafene Komponistin, Gitarristin und Sängerin
Beth Garner, die mit ihrer Zwillingsschwester Lyndah am Bass und Jeff Botta am
Schlagzeug das Herzstück einer gut abrockenden Band präsentiert.

Der oben bereits erwähnte Massenappeal darf hier als durchaus positiv bewertet werden.
Garners Melodien vermitteln zwar diese gewisse Vertrautheit, die es einem leicht macht,
sich relativ zügig mit ihren Songs zu identifizieren, doch verzetteln sie sich äusserst selten
im Dickicht tausendfach verwursteter Klischees. "Addictions" steht also mal wieder als Musterbeispiel für ein Album der Marke 'Kenn-ich-zwar-schon-irgendwoher-aber-es-macht
-mich-trotzdem-an'. Ein Silberling also der dem gewogenen Americana-Fan
normalerweise verdammt gut gefallen sollte.

Beth Garner beruft sich, wie so viele ihrer Kolleginnen, auf den immensen Sound-
und Songfundus (pop-)historischer Vergangenheit, und häkelt sich daraus ihr
eigenes makelloses Jäckchen. Tadelloser Gesang, der mal ein wenig an Sheryl Crow
erinnert, aber auch recht häufig dem Gesangsstil einer Edie Brickell nahekommt,
was in einem Track wie dem von Akkordeonflächen abgefederten Waiting for the train
recht nachvollziehbar wird. Die häufig eingestreuten rockigeren Nummern fallen
aber auch mal in eine Gangart, die man von ihrer ebenfalls aufstrebenden
Kollegin
Gina Villalobos kennt.

Garners Vocals stehen also offenbar ganz klar auf der Habenseite, aber ihr
versiertes und variantenreiches Gitarrenspiel nötigt einem dann doch noch
etwas mehr Respekt ab. Die Lady hat ihr Instrument absolut im Griff und überrascht
immer wieder mit geschmackvollen Soli, kernigen Akkorden und in der
atmospärisch dichten Ballade Believe me gar mit jazzgefärbtem Fingerpicking.

Neben zehn Eigenkompositionen stammen zwei der drei auftauchenden Coverversionen
von Billy Joe Shaver bzw. von Bruce Robison und zeugen zudem von Garners
Treffsicherheit bei der Auswahl adäquater Ergänzungen ihres eigenen Materials.

Wenn Beth Garner auf sich aufmerksam machen möchte, hat sie mit ihrer Mischung
aus melodiöser Popsensibilität und hemdsärmelig rockender Heimatverbundenheit
genau meinen Nerv getroffen. Auf ein Album mit dreizehn Titeln ohne jeglichen
Ausfall trifft man auch nicht alle Tage.

Die Lady hat's wirklich raus und verdient eine breitere Öffentlichkeit.

Wer also noch eine musikalische Lücke zwischen seinen Lucinda Williams,
Kathleen Edwards und Shawn Colvin-Alben vermutet, der sollte sie einfach
mit Beth Garner auffüllen.

 

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